10.11.2018 | Würzburg

Stillachhaus-Symposium

Depressives Grübeln: Ätiologie und Behandlung

Referent: Dr. Tobias Teismann | Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum.
Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum

Grübeln gilt als ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Störungen, wie auch für das Auftreten von Rückfällen und Wiedererkrankungen. Darüber hinaus verweisen eine Vielzahl an Forschungsarbeiten auf die Bedeutung grüblerischen Denkens für die Aufrechterhaltung von Angststörungen, Essstörungen, Schlaf- und Schmerzstörungen. Aber auch jenseits psychopathologischer Belastung leiden viele Menschen in ihrem Alltag an wiederkehrenden und zermürbenden Grübelschleifen. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wurden in den vergangenen Jahren verschiedene kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze entwickelt, die über eine gezielte Modifikation depressiven Grübelns das Behandlungsangebot für depressive Patienten zu erweitern versuchen. Im Vortrag werden die Auswirkungen depressiven Grübelns skizziert und verschiedene Annahmen zur Ätiologie depressiven Grübelns referiert. Im Anschluss werden Behandlungsstrategien vorgestellt. Im Einzelnen wird dabei eingegangen werden auf die Entwicklung eines metakognitiven Fallkonzeptes, Interventionen zur Modifikation dysfunktionaler grübelbezogener Annahmen und den Einsatz aufmerksamkeitslenkender Techniken zur Behandlung depressiven Grübelns.

Digitale Depression?

Referentin: Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Sarah Diefenbach, LMU München

Der Einzug der Technik in jeden Winkel des Alltags bleibt nicht ohne Folgen. Aufmerksamkeitsstörungen durch vermeintliches Multitasking, Leistungseinbußen durch ständige Unterbrechungen, die Degeneration des Orientierungssinns durch die allzeit bereite Navigations-App oder Fehlwahrnehmungen wie Phantom-Vibrationen. Aber nicht nur kognitiven Leistungen und körperliche Symptome, auch das subjektive Glückserleben und die soziale Interaktion werden zunehmend durch Technik definiert. Manch einer lebt mehr für Likes auf Facebook oder Instagram und vergisst dabei, den Moment selbst zu genießen. Jedes Ereignis wird zur Selfie-Kulisse – wie die Stimmung dort wirklich war, wird immer unwichtiger. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in sozialen Netzwerken tatsächlich Bestätigung und Glück zu finden, denn das eigene Profil steht in gnadenloser Konkurrenz mit den Profilen anderer, und selektiven, geschönten Ausschnitten aus deren Leben. Auch die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und der permanente Antwortdruck stellen uns vor Herausforderungen. Soziale Normen, d.h. ungeschriebene Gesetzte des Miteinanders, wie einander zuhören, Wertschätzung oder Verbindlichkeit, werden von der Technik oft ausgehebelt. Basierend auf dem Buch „Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ beleuchtet der Vortrag die Konsequenzen der allgegenwärtigen Technik in unserem Alltag. Im Fokus stehen besonders für diejenigen Phänomene, bei denen Menschen, meist ohne es zu merken, die Entscheidung über Glück und Unglück an die Technik delegieren oder in ungesunde Routinen rutschen, die so niemals gewollt waren. Im Rahmen des Campus®-Symposiums lädt Sarah Diefenbach zur kritischen Diskussion ein.

Psychotherapie des älteren Menschen

Referentin: Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Nicole Bührsch
Psychologische Psychotherapeutin, Fliedner Klinik Berlin

Psychische Probleme und Erkrankungen sind nicht auf ein bestimmtes Lebensalter begrenzt.
Andererseits ist gerade das Älterwerden häufig mit Belastungen und Herausforderungen verbunden, die schwer zu überwinden sein können. Typische Stressoren in dieser Altersgruppe sind: Abschied vom aktiven Berufsleben, Verlusterlebnisse, Funktionseinschränkungen/ chronische Erkrankungen, Gedächtnisstörungen oder die Betreuung schwerkranker Angehöriger. Dazu kommt bei vielen Menschen die Scham, sich oder anderen einzugestehen, dass bestimmte Lebensumstände als zu belastend erlebt werden und einem die Fähigkeiten zur Bewältigung im Moment fehlen. Daraus ergibt sich, dass ältere Menschen oft unerkannt und/ oder unbehandelt an psychischen Störungen erkranken. Wie kann die Psychotherapie älteren Menschen dabei helfen? Die gute Nachricht ist, dass die vielfältig vorhandenen guten Psychotherapiemethoden bei älteren Menschen nicht grundsätzlich verschieden sind zu denen bei jüngeren Patienten. Niemand muss das „Rad neu erfinden“. Der Vorteil bei älteren Patienten ist oft, dass die Anliegen viel konkreter formuliert werden. Der Blick auf die größten Risiken für ältere Menschen zeigt den wichtigsten Ansatzpunkt in der Psychotherapie (älterer) Menschen: eine Bereitschaft und Basis schaffen für gelungene Anpassungsleistungen. Dabei ist die Würdigung von Leistungen und Erfahrungen – positiver wie negativer – ebenso wichtig wie die Ermutigung zu neuen Erfahrungen bzw. der Beibehaltung wesentlicher Lebensziele. Konkret ist die Aufrechterhaltung bzw. Reaktivierung werteorientierter Aktivität vor dem Hintergrund der realen Möglichkeiten ein wichtiges Anliegen.

Das Symposium findet im Novotel Würzburg statt:
Novotel Würzburg
Eichstraße 2
97070 Würzburg

Kontakt
Tel: 0931  3054  0
www.novotel.com

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 70,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Bayern zertifiziert. Es wurden 8 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dr. Tobias Teismann

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Sarah Diefenbach

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Nicole Bührsch

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 15:30 Uhr
Verabschiedung

15:30 Uhr
Ende der Veranstaltung