21.04.2018 | Deutsche Oper Berlin

Stillachhaus-Symposium in einer besonderen Umgebung

margrafPsychische Gesundheit und Krankheit:
Mehr als zwei Seiten einer Medaille

Referent: Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf | Alexander von Humboldt-Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr Universität Bochum

Psychische Gesundheit wurde traditionell als Abwesenheit von Psychopathologie definiert. Inzwischen ist jedoch klar, dass diese negative Definition unzureichend ist und zum unbefriedigenden Stand der Behandlung psychischer Störungen beiträgt. Elemente psychischer Gesundheit und Krankheit können gleichzeitig vorhanden sein: Sie sind korreliert, aber zumindest partiell unabhängig voneinander und müssen daher gemeinsam erfasst werden. Wie soll jedoch eine positive Definition psychischer Gesundheit aussehen? Trotz vieler Studien zu Glück, Zufriedenheit oder Optimismus blieb deren Rolle für positiv definierte psychische Gesundheit bislang unklar. Neue Ergebnisse aus verschiedenen Kulturen zeigen nun, dass positive psychische Gesundheit einfach und einheitlich erfasst werden kann. Zudem wirken Lebenszufriedenheit, Resilienz, Optimismus, Glück, Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung kulturübergreifend gesundheitsfördernd und puffern zugleich die negativen Auswirkungen von Depression, Angst und Stress ab. Dabei unterscheiden sich Kulturen deutlich: So nehmen etwa in Deutschland psychische Beschwerden mit zunehmendem Alter ab, während sie in Russland ansteigen. Auch persönliche Wertvorstellungen und soziale Faktoren unterscheiden sich z.T. stark und hängen in bedeutsamer Weise mit der psychischen Gesundheit zusammen. Der Vortrag behandelt die Bedeutung dieser Befunde für die klinische Praxis und für die eigene Lebensführung.

schneiderResilienz nachhaltig stärken: Psychotherapie wirkt über die Generationengrenze

Referentin: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Silvia Schneider | Dekanin der Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität-Bochum

Unumstritten ist, dass ein Familienmitglied mit einer psychischen Störung das Risiko für andere Familienmitglieder erhöht, ebenfalls eine psychische Störung zu entwickeln. Eine bisher wenig beachtete Frage ist jedoch was passiert, wenn das erkrankte Familienmitglied durch eine erfolgreiche Behandlung die psychische Störungen zu bewältigen lernt. Der Vortrag widmet sich dieser Fragestellung auf zwei Wegen: (1) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Elternteils „top-down“ auf die Kinder aus? (2) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Kindes „bottom-up“ auf die Eltern aus? Darauf aufbauend wird exemplarisch dargestellt, welche Prozesse an Psychotherapieeffekten über die Generationengrenze hinweg beteiligt sein könnten. Empfehlungen für die klinische Praxis werden diskutiert.

Wir wollten doch noch so viel machen – Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Patient, Partner und Partnerschaft

Referentin: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Tanja Zimmermann | Professur für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Eine Krebserkrankung stellt nicht nur für die erkrankte Person eine psychosozial belastende Situation dar, sondern kann auch den nicht erkrankten Partner und die partnerschaftliche Funktionsfähigkeit sowie das Leben von Kindern, Verwandten und engen Freunden beeinträchtigen. Die psychische und physische Funktionsfähigkeit der Angehörigen beeinflusst auch ihre Fähigkeit, für die Patienten zu sorgen. Daher ist es von größter Bedeutung, die psychosozialen Belastungen sowohl bei Patienten als auch bei Angehörigen zu erfassen sowie Angehörige und hier insbesondere die Partner der Patienten in die psychoonkologischen Beratungskonzepte zu integrieren. Trotz der insgesamt deutlich verbesserten psychosozialen Versorgung von Krebspatienten im Rahmen der Leitlinienentwicklung und der Definition psychosozialer Versorgungsstandards erhalten Angehörige weniger emotionale und praktische Unterstützung als Patienten. Paarinterventionen verbessern nachweislich die Kommunikationsfähigkeit der Partner im Hinblick auf die individuellen Ängste und die oftmals veränderten Rollen innerhalb der Partnerschaft. Das Paar lernt, Stress gemeinsam zu bewältigen im Sinne einer „We-Disease“. Auch der Übergang von der direkten medizinischen Therapiephase in die „Normalität“ mit beispielsweise der Wiederaufnahme sexueller Aktivität kann dem Paar durch erfolgreiches dyadisches Coping leichter fallen als Paaren ohne psychoonkologische Paarintervention.

Das Symposium findet in der Deutschen Oper Berlin statt:
Deutsche Oper Berlin
Richard-Wagner-Straße 10
10585 Berlin

Einlass:
Am Bühneneingang der Deutschen Oper Berlin
U-Bahnhof „Deutsche Oper“ oder „Bismarck Straße“

Kosten

Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 70,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Berlin zertifiziert. Es wurden 7 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang & Begrüßung durch die Stellv. Intendantin und Betriebsdirektorin Dr. Christiane Theobald, MBA und dem Geschäftsführer des Stillachhauses Dr. Uli Fieger, MBA

09:30 – 11:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf

11:30 – 11:45 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:45 – 13:15 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Silvia Schneider

13:15 – 13:30 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:30 – 14:00 Uhr
Lunch

14:00 – 15:00 Uhr
Führung durch die Räume des Deutschen Staatsballettes durch Frau Dr. Theobald

15:00 – 16:30 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Tanja Zimmermann

16:30 – 16:45 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

16:45 – 17:00 Uhr
Verabschiedung

17:00 Uhr
Ende der Veranstaltung