22.09.2018 | Luxemburg

Stillachhaus-Symposium

Depression ist mehr als nur eine psychische Störung

Referentin: Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Isabella Heuser | Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité -Universitätsmedizin, Berlin

Schon Hippokrates hatte beobachtet, dass der Urin von Melancholikern merkwürdig süß schmecke, heute wissen wir, dass depressive Patienten in der akuten Erkrankungsphase häufiger eine diabetische Stoffwechsellage haben. Auch ist mittlerweile das erhöhte Risiko von Depressiven an einer KHK zu leiden, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleben, gut bekannt. Die meisten epidemiologischen Studien zum Thema kommen zu dem Schluss, dass die „seelische“ Erkrankung Depression mit einem reduzierten „körperlichen“ Gesundheitszustand einhergeht. In den letzten 20 Jahren haben wir uns bemüht zu verstehen, wie dieser Befund zu erklären ist: Faktoren wie ein allgemein ungesunder Lebenstil mancher depressiver Patienten mit zuviel Nikotin und Alkohol, zu wenig Bewegung und Übergewicht taugen nicht für eine erschöpfende Erklärung. Vielmehr wissen wir heute, dass die Depression, der Burn-Out, als sog. Stressbezogene Erkrankungen akut zu erheblichen Veränderung der Stoffwechsellage führt: die Stress-Hormonachse, die vom Gehirn aus den peripheren Metabolismus steuert, wird aktiviert. Cortisol und Adrenalin werden vermehrt ausgeschüttet, was unter anderem zu einem Blutdruckanstieg, einem beschleunigten Herzsschlag und einer verminderten Glukoseverstoffwechselung führt. Gleichzeitig wird eine weitere wichtige und „zentrale“ (vom Gehirn gesteuerte) Hormonachse, die sog. Gonadenachse, in ihrer Aktivität unterdrückt. Das äußert sich durch eine Verminderung der peripheren Geschlechtshormonkonzentrationen, Östrogene und Testosteron mit der möglichen Folge einer vorschnellen Osteoporoseentwicklung bei langjährig depressiven Patienten. Dies nur als einige wenige Beispiele für mein Fazit: Depressionen sind viel mehr als bloße seelische Erkrankungen. Deswegen sollten sie rasch und umfassend behandelt werden!

Psychische Gesundheit und Krankheit:
Mehr als zwei Seiten einer Medaille

Referent: Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf | Alexander von Humboldt-Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr Universität Bochum

Psychische Gesundheit wurde traditionell als Abwesenheit von Psychopathologie definiert. Inzwischen ist jedoch klar, dass diese negative Definition unzureichend ist und zum unbefriedigenden Stand der Behandlung psychischer Störungen beiträgt. Elemente psychischer Gesundheit und Krankheit können gleichzeitig vorhanden sein: Sie sind korreliert, aber zumindest partiell unabhängig voneinander und müssen daher gemeinsam erfasst werden. Wie soll jedoch eine positive Definition psychischer Gesundheit aussehen? Trotz vieler Studien zu Glück, Zufriedenheit oder Optimismus blieb deren Rolle für positiv definierte psychische Gesundheit bislang unklar. Neue Ergebnisse aus verschiedenen Kulturen zeigen nun, dass positive psychische Gesundheit einfach und einheitlich erfasst werden kann. Zudem wirken Lebenszufriedenheit, Resilienz, Optimismus, Glück, Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung kulturübergreifend gesundheitsfördernd und puffern zugleich die negativen Auswirkungen von Depression, Angst und Stress ab. Dabei unterscheiden sich Kulturen deutlich: So nehmen etwa in Deutschland psychische Beschwerden mit zunehmendem Alter ab, während sie in Russland ansteigen. Auch persönliche Wertvorstellungen und soziale Faktoren unterscheiden sich z.T. stark und hängen in bedeutsamer Weise mit der psychischen Gesundheit zusammen. Der Vortrag behandelt die Bedeutung dieser Befunde für die klinische Praxis und für die eigene Lebensführung.

Resilienz nachhaltig stärken: Psychotherapie wirkt über die Generationengrenze

Referentin: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Silvia Schneider | Dekanin der Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität-Bochum

Unumstritten ist, dass ein Familienmitglied mit einer psychischen Störung das Risiko für andere Familienmitglieder erhöht, ebenfalls eine psychische Störung zu entwickeln. Eine bisher wenig beachtete Frage ist jedoch was
passiert, wenn das erkrankte Familienmitglied durch eine erfolgreiche Behandlung die psychische Störungen zu bewältigen lernt. Der Vortrag widmet sich dieser Fragestellung auf zwei Wegen: (1) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Elternteils „top-down“ auf die Kinder aus? (2) Wie wirkt sich die Psychotherapie eines Kindes „bottom-up“ auf die Eltern aus? Darauf aufbauend wird exemplarisch dargestellt, welche Prozesse an Psychotherapieeffekten über die Generationengrenze hinweg beteiligt sein könnten. Empfehlungen für die klinische Praxis werden diskutiert.

Das Symposium findet im Novotel Luxembourg Centre statt:
Novotel Luxembourg Centre
35, Rue du Laboratoire
L-1911 Luxembourg

Kontakt
Tel: +352  248781
www.novotel.com

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 100,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Bayern zertifiziert. Es wurden 8 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych.

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Silvia Schneider

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 15:30 Uhr
Verabschiedung

15:30 Uhr
Ende der Veranstaltung