27.10.2018 | Weimar

Stillachhaus-Symposium

Was stresst, was schützt?
Zur Neurobiologie der sozialen Beziehung

Referent: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Markus Heinrichs
Ordinarius für Psychologie und Leiter der „Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für stressbedingte Erkrankungen“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Leiter der Forschungsgruppe „Social Neuroscience“ am Freiburg Brain Imaging Center des Universitätsklinikums Freiburg. Prof. Heinrichs gilt als einer der weltweit meistzitierten Wissenschaftler des letzten Jahrzehnts mit der Aufnahme in die Liste „The World’s Most Influential Scientific Minds“.

Stress ist allgegenwärtiger Bestandteil unseres Alltags: Wir sind im Stress, wir leiden unter Stress, wir möchten Stress abbauen. Neben diesem populären Gebrauch des Stressbegriffs stellen psychosoziale Belastungen Risikofaktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung zahlreicher psychischer, psychosomatischer und somatischer Erkrankungen dar. Umfangreiche Studien der letzten Jahre können zeigen, dass vor allem positive soziale Beziehungen und soziale Unterstützung zu den mächtigsten Schutzfaktoren gegen Stress und stressbedingte Erkrankungen zählen. Professor Heinrichs konnte in seinen Pionierarbeiten erstmals zeigen, dass das Hormon Oxytocin – in der Medizin bekannt für seine Bedeutung bei Geburt und Stillen – beim Menschen bindungs- und sozialrelevantes Verhalten wie Vertrauen, Blickkontakt und Nähe reguliert. Außerdem bewirkt Oxytocin eine Kontrolle angst- und stressreaktiver biologischer Systeme in sozialen Situationen. Der Vortrag bietet einen umfassenden Überblick über den Stand unseres Wissens beim Menschen und beleuchtet die faszinierenden Effekte eines Neurohormons für das menschliche Stress- und Sozialverhalten. Darüber hinaus widmet sich der Vortrag auch der klinischen Relevanz des Oxytocinsystems für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Behandlung einiger Störungen.

merklChronische Depressionen:
Wie man aus dem Dauertief rauskommt!

Referentin: Dr. med. Dipl.-Psych. Angela Merkl-Maßmann | Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Diplom-Psychologin. Theodor Fliedner Stiftung, Fliedner Klinik Berlin und Lehrbeauftragte der Charité Universitätsmedizin Berlin. CBASP-Therapeutin und Supervisorin.

Die Chronische Depression tritt mit einer Häufigkeit von bis zu 30% auf, führt zu geringeren Response Raten im Vergleich zur episodischen Verlaufsform der Depression und beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen stark (Keller et al., 2000). Um den vielschichtigen Problemen chronisch depressiver Patienten gerecht zu werden, entwickelte Professor James McCullough aus Richmond, U.S.A., ein störungsspezifisches Behandlungskonzept, welches schulenübergreifend kognitive, verhaltenstherapeutische, interpersonelle und psychodynamische Strategien integriert. Hinter dem schwer einzuprägenden Begriff „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy” (CBASP) verbirgt sich eine der interessantesten Entwicklungen der kognitiven Verhaltenstherapie der letzten Jahre. Die CBASP setzt direkt an der spezifischen Psychopathologie chronisch Depressiver an, worunter McCullough ein präoperatorisches Denken und eine Entkoppelung der Wahrnehmung des Betroffenen von seiner Umwelt versteht. Zum Stillstand gekommene Reifungsprozesse werden als ätiologische Basis für chronische Depressionen angesehen. Die CBASP konzeptualisiert die Depression in Form einer „Person x Umwelt“-Perspektive und leitet die Patienten dazu an, zu berücksichtigen, was sie bei anderen auslösen. Es ist das einzige interpersonelle Psychotherapieprogramm, das spezifisch für die Behandlung chronischer Depressionen entwickelt wurde und soll in diesem Symposium anschaulich vorgestellt werden.

Psychokardiologie – Herz und Seele gleichermaßen behandeln

Referent: Univ.-Prof. Dr. med. Volker Köllner | Charité Universitätsmedizin Berlin, Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehazentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung

Eine komorbide Depression oder eine Posttraumatische Belastungsstörung kann den Verlauf einer koronaren Herzerkrankung oder einer Herzinsuffizienz entscheidend beeinflussen und erhöht die Mortalität der betroffenen Patienten signifikant. Umgekehrt kann in der Folge von Herzerkrankungen und invasiven Behandlungsmaßnahmen, wie z. B. einer Serie von AICD-Schocks oder der Implantation eines Herzunterstützungssystems (Kunstherz) eine Angsterkrankung, Depression oder PTBS auftreten. Oft beeinträchtigt die psychische Komorbidität die Lebensqualität stärker als die kardiale Grunderkrankung. Diese Wechselwirkungen erfordern integrierte Behandlungskonzepte, die in unserem nach Fachdisziplinen organisierten Versorgungssystem bisher noch zu selten angeboten werden. Im ersten Teil des Vortrages werden psychokardiologische Wechselwirkungen und Zusammenhänge dargestellt. Im zweiten Teil geht es dann darum, welche besonderen psychotherapeutischen Grundhaltungen und Techniken bei der Behandlung von Herzpatienten sinnvoll sind. Ein Schwerpunkt wird hierbei die Behandlung von herzbezogenen Ängsten sein. Abschließend wird kurz das Konzept der integrierten psychokardiologischen Rehabilitation vorgestellt.

Das Symposium findet im Dorint am Goethepark Weimar statt:
Dorint am Goethepark Weimar
Beethovenplatz 1 – 2
99423 Weimar

Kontakt
Tel: 03643  872  0
https://www.hotel-weimar.dorint.com

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 70,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Thüringen zertifiziert. Es wurden 7 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Markus Heinrichs

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dr. med. Dipl.-Psych. Angela Merkl-Maßmann

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. med. Volker Köllner

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 15:30 Uhr
Verabschiedung

15:30 Uhr
Ende der Veranstaltung