28.04.2018 | Regensburg

Stillachhaus-Symposium

Aktuelle Entwicklungen bei der Therapie von stressbezogenen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen

Referent: Univ.-Prof. Dr. Rainer Rupprecht | Ärztlicher Direktor und Lehrstuhlinhaber, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg am Bezirksklinikum Regensburg

Stressbezogene Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Aufgrund der Epidemiologie ist mit einer weiteren Zunahme dieser Erkrankungen zu rechnen. Neben psychologischen Ursachen spielen auch biologische Faktoren für die Krankheitsentstehung eine wichtige Rolle, so z.B. Ungleichgewichte des Neurotransmitterhaushalts oder im Stresshormonsystem. Mittlerweile stehen eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten sowohl in pharmakologischer Hinsicht als auch im Bereich der Psychotherapie zur Verfügung. Dennoch müssen die bisherigen Behandlungsoptionen als unzureichend angesehen werden, da bei weitem nicht alle Patienten auf eine Monotherapie mit einem Antidepressivum bzw. eine Psychotherapie ansprechen. Ein noch größeres klinisches Problem ist die lange Wirklatenz, da es in der Regel mehrere Wochen dauert, bis eine deutliche Wirkung zu verzeichnen ist. In der Angsttherapie werden häufig Benzodiazepine, z.T. auch als Notfallmedikation eingesetzt, bei längerfristiger Gabe bestehen jedoch Probleme hinsichtlich Toleranzentwicklung und Abhängigkeitsrisiko. Daher sind weitere Forschungsbemühungen hinsichtlich neuartiger Antidepressiva und Anxiolytika dringend erforderlich.
Im Rahmen des Vortrags werden einige aktuelle Entwicklungen zu möglichen neuartigen Therapieansätzen bei stressbezogenen Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen dargelegt.

Unspezifische Wirkfaktoren in der Therapie psychischer Störungen – Fakten und klinische Bedeutung

Referent: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. scient. pth. Dipl.-Psych. Reinhard J. Boerner | Sigmund Freud Privat Universität Wien/Berlin | Christliches Krankenhaus Quakenbrück, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität /European Medical School Oldenburg/Groningen, Chefarzt

Trotz der Wirksamkeit von bestimmten Psychotherapieverfahren wie Psychopharmaka bei psychischen Störungen bleiben viele Fragen offen. Dies betrifft u.a. die Bedeutung sog. unspezifischer Faktoren für Therapieerfolg und -misserfolg. Zu diesen zählen z.B. die Passung des Krankheits- bzw. Störungsverständnisses von Patient und Therapieverfahren, die Art und Gestaltung der Therapeut-Patient-Beziehung sowie die unmittelbare Wirkung von Placebos. Für die Psychotherapie machen sowohl geschichtliche Beispiele wie die „Magnetische Kur“ Franz Anton Mesmers im 18./19. Jhd. wie auch aktuelle Psychotherapiestudien auf die eminente Bedeutung dieses Themas aufmerksam. Es zeigte sich, dass in der Psychotherapiepraxis schulenspezifische Interventionen nur zu einem geringen Teil zum Einsatz kommen und somit zum Therapieergebnis beitragen. Dies widerspricht allen Erwartungen aus der wissenschaftlichen Debatte wie Therapieleitlinien. Auch für die medikamentöse Therapie ist jenseits substanzspezifischer Wirkungen ein hoher Anteil des Placeboeffekts für subjektive Wirkungen und Nebenwirkungen vieler Patienten nachgewiesen. In dem Vortrag wird diese komplexe Thematik anhand historischer und aktueller Beispiele aus Forschung und Praxis detailliert erörtert und aufgezeigt, welche Konsequenzen sich aus diesem Wissen sowohl für die psychotherapeutische wie ärztliche Praxis als auch für die zukünftige Forschung ergeben.

Depression, Stress und Dickdarm-Mikrobiom

Referent: Univ.-Prof. Dr. med. Thomas C. Baghai | Medizinischer Direktor, Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz, Klinische Neurowissenschaften, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg

Der menschliche Körper wird von einer enormen Anzahl von Mikroben kolonisiert. Diese werden in ihrer Gesamtheit als Mikrobiota, ihr genetisches Material als Mikrobiom bezeichnet. Sie kommen in verschiedensten Kompartimenten des Körpers, unter anderem auch im menschlichen Darm vor. In den letzten Jahren ist das Interesse für die Vielfalt dieser kommensalen Mikroorganismen und ihren Einfluss auf regulatorische Vorgänge ständig gestiegen. Aber erst seit es möglich ist, diese nicht nur in der Kultur, sondern durch Analyse ihres genetischen Materials in immer kostengünstiger werdenden Hochdurchsatzverfahren nachzuweisen, steigen die Erkenntnisse über mögliche Einflüsse auf Physiologie und Pathophysiologie des Menschen rapide an.Die Zusammensetzung der Bakterien im Dickdarm von Nagern kann das zentrale Nervensystem (ZNS) sowohl in sensiblen Entwicklungsphasen, als auch bei erwachsenen Tieren auf der Verhaltensebene beeinflussen. Regulatorische Vorgänge, die humorale endokrine und inflammatorische Mechanismen und gleichzeitig auch neuronale Informationsübermittlung einschließen, funktionieren meist bidirektional. Dies bedingt, dass das ZNS den Darm und seinen Inhalt beeinflusst, die Darmbakterien aber auch direkten und indirekten Einfluss auf das ZNS haben.
Auch stress-assoziiertes Verhalten und durch Stress modulierte psychiatrische Störungen wie z.B. depressive Erkrankungen werden vermutlich durch Veränderungen des Dickdarmmikrobioms moduliert. Hier befinden wir aber noch in der Anfangsphase der zielgerichteten Forschung. Der Vortrag erläutert die wahrscheinlichen Regulationsmechanismen und Einflussfaktoren mit dem aktuellen Stand der Erkenntnisse, schildert methodische Probleme und Lösungsansätze bei der Untersuchung dieser Zusammenhänge und zeigt einen Ausblick auf weitere Untersuchungen und mögliche Anwendungsfelder bei der Behandlung depressiver Erkrankungen.

Gezieltes Resilienztraining
für Therapeuten und Klienten

Referentin: Dipl.-Psych. Mirijam Faust
Psychologische Psychotherapeutin der Stillachhaus Privatklinik | Resilienz Coach

Der Begriff Resilienz (lateinisch: „resiliere“ zurückspringen) stammt ursprünglich aus der Technik und beschreibt dort die Eigenschaft von Werkstoffen, nach Deformierung in die Ausgangsform zurückzukehren. In der Psychologie wird damit die lebenslang ausbaufähige psychische Widerstandsfähigkeit umschrieben, die Menschen hilft, Krisen zu bewerkstelligen und schwierige Lebenssituationen zu meistern. Zentrale Fragen dabei sind: Was lässt mich als Therapeuten gesund bleiben? Wie kann ich Gehörtes gut verarbeiten? Wie kann der Patient in seiner Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit gestärkt werden? Wie kann ich mit dem Patienten seine Ressourcen ausbauen? Wie gestalte ich langfristig eine ausgewogene Work-Life-Balance? Im theoretischen Teil des Vortrags wird ein Verständnis von Resilienz und unserem Resilienztraining vermittelt. Im anschließenden praktischen Teil laden wir Sie dazu ein, die Idee der Resilienz anhand einer kurzen exemplarischen Übung selbst zu erleben und zu erfahren. Die Übung ist Bestandteil unseres Resilienztrainings, welches an der Stillachhaus Privatklinik als Gruppentherapie angeboten und in regelmäßigen Abständen an psychotherapeutisch Tätige in Form von Schulungen weitergegeben wird.

Das Symposium findet im Best Western Premier Hotel statt:
Best Western Premier Hotel Regensburg
Ziegetsdorfer Straße 111
93051 Regensburg

Kontakt
Tel: 0941  463930
www.bestwestern.de

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 70,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Bayern zertifiziert. Es wurden 10 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Rainer Rupprecht

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. scient. pth. Dipl.-Psych. Reinhard J. Boerner

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. med. Thomas C. Baghai

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dipl.-Psych. Mirijam Faust

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens

17:00
Verabschiedung
Ende der Veranstaltung