CME Zertifikat

Für dieses Symposium werden

9 CME Punkte beantragt.

05.10.2019 | Ulm

Stillachhaus-Symposium
Wissenschaftliche Leitung: Dr. med. Franziska van Hall

Depressives Grübeln: Ätiologie und Behandlung

Referent: Dr. Tobias Teismann | Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum.
Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum

Grübeln gilt als ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Störungen, wie auch für das Auftreten von Rückfällen und Wiedererkrankungen. Darüber hinaus verweisen eine Vielzahl an Forschungsarbeiten auf die Bedeutung grüblerischen Denkens für die Aufrechterhaltung von Angststörungen, Essstörungen, Schlaf- und Schmerzstörungen. Aber auch jenseits psychopathologischer Belastung leiden viele Menschen in ihrem Alltag an wiederkehrenden und zermürbenden Grübelschleifen. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wurden in den vergangenen Jahren verschiedene kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze entwickelt, die über eine gezielte Modifikation depressiven Grübelns das Behandlungsangebot für depressive Patienten zu erweitern versuchen. Im Vortrag werden die Auswirkungen depressiven Grübelns skizziert und verschiedene Annahmen zur Ätiologie depressiven Grübelns referiert. Im Anschluss werden Behandlungsstrategien vorgestellt. Im Einzelnen wird dabei eingegangen werden auf die Entwicklung eines metakognitiven Fallkonzeptes, Interventionen zur Modifikation dysfunktionaler grübelbezogener Annahmen und den Einsatz aufmerksamkeitslenkender Techniken zur Behandlung depressiven Grübelns.

Digitale Depression?

Referentin: Prof. Dr. Dipl.-Psych. Sarah Diefenbach, Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Einzug der Technik in jeden Winkel des Alltags bleibt nicht ohne Folgen. Aufmerksamkeitsstörungen durch vermeintliches Multitasking, Leistungseinbußen durch ständige Unterbrechungen, die Degeneration des Orientierungssinns durch die allzeit bereite Navigations-App oder Fehlwahrnehmungen wie Phantom-Vibrationen. Aber nicht nur kognitiven Leistungen und körperliche Symptome, auch das subjektive Glückserleben und die soziale Interaktion werden zunehmend durch Technik definiert. Manch einer lebt mehr für Likes auf Facebook oder Instagram und vergisst dabei, den Moment selbst zu genießen. Jedes Ereignis wird zur Selfie-Kulisse – wie die Stimmung dort wirklich war, wird immer unwichtiger. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in sozialen Netzwerken tatsächlich Bestätigung und Glück zu finden, denn das eigene Profil steht in gnadenloser Konkurrenz mit den Profilen anderer, und selektiven, geschönten Ausschnitten aus deren Leben. Auch die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und der permanente Antwortdruck stellen uns vor Herausforderungen. Soziale Normen, d.h. ungeschriebene Gesetzte des Miteinanders, wie einander zuhören, Wertschätzung oder Verbindlichkeit, werden von der Technik oft ausgehebelt. Basierend auf dem Buch „Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ beleuchtet der Vortrag die Konsequenzen der allgegenwärtigen Technik in unserem Alltag. Im Fokus stehen besonders für diejenigen Phänomene, bei denen Menschen, meist ohne es zu merken, die Entscheidung über Glück und Unglück an die Technik delegieren oder in ungesunde Routinen rutschen, die so niemals gewollt waren. Im Rahmen des Campus®-Symposiums lädt Sarah Diefenbach zur kritischen Diskussion ein.

Perfektionismus – Stärken nutzen, mit Risiken umgehen?“

Referentin: Dr. Christine Altstötter-Gleich | Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Fachbereich 8: Psychologie

Perfektionismus ist mit einer Vielzahl psychischer Störungsbilder verbunden. Am verbreitetsten sind stressbedingte Störungen wie Depression und Burn Out. Häufig sind mit der Tendenz, an die eigenen Leistungen sehr hohe Anforderungen zu stellen, aber auch ausgeprägte soziale Ängste und Essstörungen verbunden. Nicht zuletzt werden perfektionistische Tendenzen im Alltag als problematisch erlebt, weil sie für dysfunktionale Verhaltensweisen, wie z.B. Prokrastination oder übertriebenes Checking-Verhalten verantwortlich sind. Internationale Forschungsprogramme machen jedoch deutlich, dass ein ausgeprägtes Leistungsstreben nicht zwangsläufig mit psychischen Problemen einhergeht. Sie identifizieren eine Reihe von Prozessen, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich perfektionistische Tendenzen zum sogenannten klinisch relevanten Perfektionismus entwickeln. Im Zentrum des Vortrags stehen neben diesen Prozessen verschiedene Modellen zur Ätiologie des klinisch relevanten Perfektionismus. Darauf aufbauend werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien vorgestellt, die vor allem auf sogenannte perfektionistische „Denkfehler“ abzielen.

Stressempfindlichkeit oder Resilienz hängt mit dem Energie-Metabolismus im Gehirn zusammen

Referent: M.A. Michael van der Kooij | PhD, Lab. Translational Psychiatry, Institut für Psychiatrie und Psychotherapie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz

Insbesondere chronischer Stress gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen wie beispielsweise depressive Störungen. Zudem kann er sich negativ auf den Stoffwechsel und besonders auf den Zuckerstoffwechsel auswirken. Die Aufnahme der Zuckerart Glukose aus dem Blut ist dabei besonders wichtig für das Gehirn. Wenn sich das Gleichgewicht des Glukosestoffwechsels auch nur geringfügig verändert, reagiert das Gehirn sehr empfindlich. In einem Tiermodell für chronischen Stress haben wir eine periphere als auch zentrale Störung des Zuckerstoffwechsels gefunden; diese physiologischen Änderungen und damit verbundene psychische Symptome stehen in ursächlichem Zusammenhang. Demnach kann eine stressinduzierte Störung des Zuckerstoffwechsels mit der Entstehung von stressabhängigen psychischen Erkrankungen zusammenhängen. Fraglich ist warum chronischer Stress bei manchen Personen zur Entwicklung psychischer Symptome führt, wie beispielsweise zu depressiver Stimmung oder einer Funktionsstörung des Gedächtnisses, während andere Menschen unter identischen Lebensbedingungen gesund bleiben und seelisch widerstandsfähig, also resilient sind? Unseren Studien zufolge, kommt hier die Individualität ins Spiel. Innerhalb der Gruppe der gestressten Tiere gibt es nämlich Untergruppierungen: zum einen sehr empfindliche, so genannte suszeptible Tiere, die auf den Stress mit einer deutlichen Störung des Glukosestoffwechsels reagieren und gleichzeitig das Lernvermögen eingeschränkt ist und zum anderen resiliente Tiere ohne die Entwicklung dieser physiologischen und kognitiven Störungen. Mit Hilfe eines Diabetes Medikamentes konnten wir diese Stress-suszeptiblen Tiere vor den negativen Konsequenzen des Stresses schützen, was den Zusammenhang zwischen Stress und Energie-Metabolismus weiter unterstreicht und Anlass zur Hoffnung gibt, dass diese neuen Erkenntnisse dazu beitragen Therapiemöglichkeiten für stressassoziierte Erkrankungen zu verbessern.

Das Symposium findet im Leonardo Royal Hotel Ulm statt:
Leonardo Royal Hotel Ulm
Mörickestraße 17
89077 Ulm

Kontakt
Tel: 0731 407270
Leonardo Royal Hotel Ulm

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 120,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Baden-Württemberg zertifiziert. Es werden 9 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dr. Tobias Teismann

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Sarah Diefenbach

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit
Dr. Christine Altstötter-Gleich

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Michael van der Kooij

16:45 Uhr – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

17:00 Uhr
Verabschiedung & Ende der Veranstaltung