CME Zertifikat

Für dieses Symposium wurden
7 CME Punkte beantragt.

23.02.2019 | Stuttgart

Stillachhaus-Symposium
Wissenschaftliche Leitung: Dr. med. Franziska van Hall

Stressempfindlichkeit oder Resilienz hängt mit dem Energie-Metabolismus im Gehirn zusammen

Referent: M.A. Michael van der Kooij | PhD, Lab. Translational Psychiatry, Institut für Psychiatrie und Psychotherapie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz

Insbesondere chronischer Stress gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen wie beispielsweise depressive Störungen. Zudem kann er sich negativ auf den Stoffwechsel und besonders auf den Zuckerstoffwechsel auswirken. Die Aufnahme der Zuckerart Glukose aus dem Blut ist dabei besonders wichtig für das Gehirn. Wenn sich das Gleichgewicht des Glukosestoffwechsels auch nur geringfügig verändert, reagiert das Gehirn sehr empfindlich. In einem Tiermodell für chronischen Stress haben wir eine periphere als auch zentrale Störung des Zuckerstoffwechsels gefunden; diese physiologischen Änderungen und damit verbundene psychische Symptome stehen in ursächlichem Zusammenhang. Demnach kann eine stressinduzierte Störung des Zuckerstoffwechsels mit der Entstehung von stressabhängigen psychischen Erkrankungen zusammenhängen. Fraglich ist warum chronischer Stress bei manchen Personen zur Entwicklung psychischer Symptome führt, wie beispielsweise zu depressiver Stimmung oder einer Funktionsstörung des Gedächtnisses, während andere Menschen unter identischen Lebensbedingungen gesund bleiben und seelisch widerstandsfähig, also resilient sind? Unseren Studien zufolge, kommt hier die Individualität ins Spiel. Innerhalb der Gruppe der gestressten Tiere gibt es nämlich Untergruppierungen: zum einen sehr empfindliche, so genannte suszeptible Tiere, die auf den Stress mit einer deutlichen Störung des Glukosestoffwechsels reagieren und gleichzeitig das Lernvermögen eingeschränkt ist und zum anderen resiliente Tiere ohne die Entwicklung dieser physiologischen und kognitiven Störungen. Mit Hilfe eines Diabetes Medikamentes konnten wir diese Stress-suszeptiblen Tiere vor den negativen Konsequenzen des Stresses schützen, was den Zusammenhang zwischen Stress und Energie-Metabolismus weiter unterstreicht und Anlass zur Hoffnung gibt, dass diese neuen Erkenntnisse dazu beitragen Therapiemöglichkeiten für stressassoziierte Erkrankungen zu verbessern.

Perfektionismus – Stärken nutzen, mit Risiken umgehen?

Referentin: Dr. Christine Altstötter-Gleich | Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Fachbereich 8: Psychologie

Perfektionismus ist mit einer Vielzahl psychischer Störungsbilder verbunden. Am verbreitetsten sind stressbedingte Störungen wie Depression und Burn Out. Häufig sind mit der Tendenz, an die eigenen Leistungen sehr hohe Anforderungen zu stellen, aber auch ausgeprägte soziale Ängste und Essstörungen verbunden. Nicht zuletzt werden perfektionistische Tendenzen im Alltag als problematisch erlebt, weil sie für dysfunktionale Verhaltensweisen, wie z.B. Prokrastination oder übertriebenes Checking-Verhalten verantwortlich sind. Internationale Forschungsprogramme machen jedoch deutlich, dass ein ausgeprägtes Leistungsstreben nicht zwangsläufig mit psychischen Problemen einhergeht. Sie identifizieren eine Reihe von Prozessen, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich perfektionistische Tendenzen zum sogenannten klinisch relevanten Perfektionismus entwickeln. Im Zentrum des Vortrags stehen neben diesen Prozessen verschiedene Modellen zur Ätiologie des klinisch relevanten Perfektionismus. Darauf aufbauend werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien vorgestellt, die vor allem auf sogenannte perfektionistische „Denkfehler“ abzielen.

MSC Mindful Self-Compassion/Achtsames Selbstmitgefühl kennenlernen

Referentin: Arve Thürmann | Psychologische Psychotherapeutin, Certified Teacher MSC und MSC Teacher Trainer, MBSR/MBCT-Trainerin

Mindful Self Compassion (MSC) ist ein evidenz-basiertes Training, das speziell dafür entwickelt wurde, die Fertigkeit des Selbstmitgefühls zu kultivieren. MSC basiert auf den Forschungen von Dr. Kirstin Neff und dem Fachwissen von Dr. Christopher Germer. MSC bringt Teilnehmern die wesentlichen Prinzipien und Praktiken bei, um schwierige Momente im Leben mit Güte, Fürsorge und Verständnis begegnen zu können. Stetig zunehmende Forschungsbefunde zeigen, dass größeres Selbstmitgefühl deutlich mit mehr emotionalem Wohlbefinden, weniger Angst, Depression und Stress und einem Aufrechterhalten von gesunden Lebensweisen, wie Ernährung und Sport und zufriedenstellenden Beziehungen einhergeht.

Psychologische Resilienz: Grundlagen, Mechanismen und Perspektiven

Referentin: Dr. med. Franziska van Hall Ärztliche Direktorin der Stillachhaus Privatklinik

Als psychologische Resilienz wird insbesondere die Fähigkeit eines Individuums bezeichnet, sich erfolgreich an Stress, Traumata und Krisensituationen anzupassen. Unserem heutigen Verständnis zufolge unterliegt Resilienz einem prozesshaften Charakter; sie ist dynamisch und damit veränderbar. Doch welche übergeordneten Resilienz-Mechanismen führen in ihrem Zusammenwirken zu einer verlässlichen Vorhersage von Resilienz gegenüber Stressoren? Der Vortrag bietet einen Überblick über die derzeit noch sehr heterogenen wissenschaftlichen Resilienzkonzepte, ausgehend von unterschiedlichen Resilienz-Definitionen über deren Operationialisierung bis hin zur Erfassung eines einheitlichen Resilienzkonstruktes. Auch in Bezug auf die Frage, wie Resilienz als erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben am besten trainierbar wird, existiert derzeit noch kein wissenschaftlicher Konsens: Vor dem Hintergrund einer kritischen Reflexion der bisherigen Evidenz solcher Interventionen wird ein Ausblick auf den zukünftigen Forschungsbedarf unter Einbezug notwendiger wissenschaftlicher Standards skizziert. Im Weiteren erfolgt ein Einblick in die praktische resilienzmedizinische Arbeit des Stillachhauses. Trotz der Verschiedenheit der einzelnen Forschungsbefunde ließ sich bereits ein deutlicher Zusammenhang zwischen Resilienz und psychischer Gesundheit z.B. auch bei körperlich Erkrankten zeigen. Parallel zur klinischen psychosomatisch-psychotherapeutischen Arbeit werden daher im Stillachhaus durch gezielte Interventionen bekannte Resilienzfaktoren gefördert, um durch die gewonnene positive Gesundheitskompetenz (Veränderung von Einstellungen und Ansichten, neugewonnene Stärken und Ressourcen sowie Kompetenzen) den Therapieerfolg der Patienten und damit deren Lebensqualität nachhaltig zu stärken.

Das Symposium findet im Steigenberger Graf Zeppelin statt:
Steigenberger Graf Zeppelin
Arnulf-Klett-Platz 7
70173 Stuttgart

Kontakt
Tel: 0711 2048 0
Steigenberger Graf Zeppelin Stuttgart

Kosten
Die Teilnahmegebühr am Symposium beträgt 120,00 Euro (inkl. MwSt.). Mittagsbrunch und Getränke sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Fortbildungspunkte
Das Symposium wird von der Landesärztekammer Baden Württemberg zertifiziert. Es wurden 7 Punkte beantragt!

Zeitplan

09:00 – 09:30 Uhr
Empfang, Registrierung, Begrüßung

09:30 – 11:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Michael van der Kooij

11:00 – 11:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

11:15 – 12:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. Christine Altstötter-Gleich

12:45 – 13:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

13:00 – 13:30 Uhr
Lunch

13:30 – 15:00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Arva Thürmann

15:00 – 15:15 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens – Kurze Pause

15:15 – 16:45 Uhr
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Franziska van Hall

16:45 – 17:00 Uhr
Zeit zur Beantwortung eines Fragebogens

17:00 Uhr
Verabschiedung & Ende der Veranstaltung