Sicherstellung eines Therapieerfolges

Essenzieller Bestandteil unseres Behandlungskonzeptes ist der Transfer und die Implementierung der im Rahmen der Psychotherapie erworbenen Erkenntnisse und Erfahrungen in den persönlichen Alltag des Patienten.

Unsere Patienten haben während des Aufenthaltes im geschützten Rahmen des Stillachhauses neue Ressourcen freigesetzt, dysfunktionale Kognitionen und Verhaltensmuster erkannt sowie konstruktivere, hilfreiche Gedanken und Verhaltensmöglichkeiten eingeübt und erfahren.

Nach der Rückkehr gilt es meist, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld, diverse Herausforderungen und Veränderungen zu bewältigen.

Daher liegt uns der sorgfältige Umgang mit dem Transfer des erarbeiteten Therapieerfolges aus dem geschützten Rahmen in das persönliche Alltagsleben des Patienten sehr am Herzen.

Im letzten Abschnitt der Behandlung im Stillachhaus wird dieser Transfer sowohl individuell, im Rahmen der Einzeltherapie, als auch in der sogenannten „Going-Home Gruppe“ fokussiert. In dieser werden Werkzeuge vermittelt, um das bisher Erlernte kompakt zu bündeln und Strategien der Rückfallprophylaxe anwenden zu können. Hierbei stehen eine aktiv-positive Sichtweise und die verbesserte Selbstfürsorge im Vordergrund.

Die Rückfallprophylaxe besteht aus mehreren Bausteinen

Im ersten Schritt erfolgt eine Selbstreflexion und persönliche Standortbestimmung. Hierzu gehört, die Ursachen des individuellen, seelischen Problems zu kennen und zu wissen, wie sich dieses in Gedanken, Gefühlen, im Verhalten und im Körper äußern kann.

Den zweiten Schritt stellt die Identifikation von individuellen Frühwarnzeichen dar. Mittels gezielten Selbstmonitorings wird die Selbstwahrnehmung verbessert. Durch die Erfahrung, frühzeitig mit entsprechender Selbstfürsorge positiven Einfluß nehmen zu können, wird die Selbstwirksamkeitserwartung erhöht.

Neben der Erstellung eines persönlichen „Notfallkoffers“ und „Notfallplans“ werden Informationen hinsichtlich Zugangswegen zur ambulanten Psychotherapie und Nachbetreuung im Allgemeinen vermittelt.

Im Rahmen dieser Wissensvermittlung zur Rückfallprophylaxe wird der Fokus noch einmal gezielt auf Resilienz als hierfür wichtigen Baustein gerichtet. Hierdurch wird die Nachhaltigkeit des Therapieerfolges sehr wirkungsvoll untermauert.

Die Stillachhaus-Therapie zeigt auch ein Jahr nach Behandlungsende weiter große Effektstärken

Im August 2017 begannen wir mit der katamnestischen Studie über die Nachhaltigkeit unseres Therapiekonzepts, bei der wir unsere Patienten nach Entlassung längerfristig, systematisch zu psychischen Problemen und psychischer Gesundheit befragten. Speziell die Erzielung langfristiger positiver Effekte bedingt das eigentliche Maß für den Erfolg einer Therapie. Die Studie wurde in Kooperation mit der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Psychologischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum unter Leitung von Prof. Dr. Jürgen Margraf durchgeführt.

Wir freuen uns nun über die ersten Zwischenergebnisse der Evaluation und erstmals auch der 12-Monatskatamnese.

In unserer Studie haben wir 541 Patienten eingeschlossen, die zu Therapiebeginn und –ende sowie 6 und 12 Monate nach Entlassung aus unserer Klinik zu einer subjektiven Einschätzung bestimmter Symptome befragt wurden.

Die Behandlungsziele (gemessen durch Selbsteinschätzung nach dem DASS21-Verfahren) ließen sich mittels der sehr großen Effektstärken (Bedeutsamkeit der Unterschiede zwischen zwei Messzeiträumen) in unseren ersten Zwischenergebnissen objektivieren.
Positive psychische Gesundheit (gemessen anhand der PMH-Skala) bedeutet unter anderem die Fähigkeit mit Stress umzugehen, die Fähigkeit im Leben einen Sinn zu sehen und Widerstandsfähigkeit (Resilienz).

Auch 6 Monate nach Entlassung ist bei den befragten Patienten der Therapieerfolg noch deutlich vorhanden.

12 Monate nach Klinik-Aufenthalt bleibt der positive Effekt auf beiden Seiten des Spektrums, sowohl in Hinblick auf Depressionen, Angst und Stress als auch auf die Stärkung der subjektiven psychischen Gesundheit (PMH = positive mental health), weiterhin sehr hoch.

Die Belastung mit depressiven Symptomen ist nach wie vor gering. Die Angst hat im Alltagsleben sogar weiter abgenommen. Dass die subjektive Stressbelastung nach einem Jahr Alltag wieder zugenommen hat, kann als normal betrachtet werden, da diese während der Therapiebehandlung deutlich abnimmt, die Patienten mit den Haupteinflussfaktoren, die den Stress verursachen im Alltagsleben aber wieder konfrontiert werden.

Insgesamt können wir feststellen, dass die Positive psychische Gesundheit während des Klinikaufenthalts stark gesteigert wurde und auch ein Jahr nach der Behandlung gleichbleibend hoch ist.

Depressionen, Angst und Stress haben im Gegenzug während der Behandlungsdauer deutlich abgenommen und sind nachhaltig gering geblieben.